Wesentliches aus und Gedanken zu Gerald Hüthers: Etwas mehr Hirn, bitte

  • Jedes Lebewesen will etwas, selbst ein Regenwurm hat eine klare Ausrichtung, was sein Ziel ist.8642370294_96484bfd60_o

Wie oft gehen wir davon aus, dass unsere Kinder nicht zielgerichtet agieren? Dabei sind sie doch immer zielgerichtet, oft verstehen wir sie nicht oder wollen das Ziel nicht anerkennen. Vor allem in Phasen der „Langeweile“, wo aus der Leere und dem Choaos etwas Neues, Kreatives entstehen kann, übersehen wir oft, dass auch da eine Zielgerichtetheit ist.

  • Leistungsdruck auf Spezialisierung und Differenzierung des Gehirns werden verhindert durch Hunger, Not, Selektionsdruck und Leistungszwang. Unser gängiges Schulsystem besteht aus letzteren beiden, so können auch heute noch Maschinen herangezogen werden, die nicht spezialisiert sind und einfach das machen, was man ihnen vorschreibt.

Wollen wir haben, das unsere Kinder so werden? Will ich kleine Maschinen haben, die angepasst funktionieren und nicht mitdenken? Hatten wir gerade in Mitteleuropa nicht erst vor kurzer Zeit eine Phase, wo begeistert und unreflektiert Menschenmassen einem Führer nachgerannt sind und wir uns im Nachhinein fragen: „Wie konnte das nur sein?“ Und ist es durch den überhöhten Medienkonsum heute nicht noch leichter, die Phase des Reflektierens zu übergehen und durch das noch immer gängige Gesellschaftssystem zu lernen, dass wir einfach das annehmen und umsetzten sollen, was uns „da vorne“ vorgesagt wird?

  • Bei sicherer Bindung: Kinder sind aufmerksamer und interssierter, entdecken und studieren
  • Gefühle und Vertrauen lernen Kinder, wenn sie wissen: ich bin wichtig
  • Kids lernen das besonders gut, wenn sie und ihre Eltern begeistert sind
  • Verbundenheit entsteht, wenn Kinder mit anderen etwas entdecken

 

Geben wir als Eltern unseren Kindern diesen Raum? Sind meine Kinder sicher gebunden und verbunden mit mir? Wissen sie, dass sie unendlich wichtig für mich sind? Haben wir Zeiten, in denen wir uns gemeinsam für etwas begeistern und entdecken?

 

  • Sind Kinder zu fest gebunden, können sie sich nicht nach eigenen Möglichkeiten entfalten. Dann lernen sie nicht Impulskontrolle, Frust ertragen, Handlungen zu planen, Empathie, Verantwortung zu übernehmen
  • Hirngerechte und sinnvolle Arbeit: das Spiel
  • Notwendig sind wichtige Bezugspersonen, die vorleben: Spiegelneuronen bilden sich aus
  • Bedürfnis nach Verbundenheit

Baustelle vor unserem Kindergarten und Baggerfahrer. Alle Kinder stehen begeistert und staunend bei der Grube und beobachten den Baggerfahrer, wie er mit der großen Schaufel die Erde aus der Grube hebt viele Gespräche der Kinder untereinander. Im Gesicht des Baggerfahrers kann man das Leuchten der Augen der Kinder wiedersehen, die Bewunderung und die Begeisterung für sein Können. Zu Mittag dürfen dann alle Kinder in den Container schauen zum Mittagessen. Die Kinder dürfen in den Bagger steigen sich alles genau ansehen und es werden die Knöpfe erklärt. Am nächsten Morgen darf eines der Kinder sogar dabei sein, während die letzte Erde ausgehoben wird.

Als Sarah wenige Tage später den Baggerfahrer auf einer anderen Baustelle entdeckt, läuft sie zu ihm hin und begrüßt ihn. Mir erklärt sie dann: Das war unser Freund, der Baggerahrer.

  • Inkohärenz ist fürs Gehirn unangenehm, möchte Kohärenz herstellen: Probleme selbst lösen. Glücksgefühle => Verschachtelung und Synapsenbildung

Probleme selber lösen zu können bereitet dieses Glücksgefühl. Wie oft sind Kinder erst dann ärgerlich, wenn ein Problem für sie gelöst wurde, und meist passt das Ergebnis oft gar nicht.

Mir fallen dazu Situationen ein, wo beide Kinder die gleiche Sache haben wollen und von einer dritten Person dann dieses Etwas ein zweites Mal beschafft wird. Oft sind sie da gar nicht froh und glücklich, sondern trotzig und tobend, da zum einen nicht sie das Problem gelöst haben (kein Glücksgefühl da ist) und zum anderen, sie nicht die Möglichkeit hatten, ihre Lösung zu finden.

Ein konkretes Beispiel: Jakob und Tim wollen beide den gleichen Stock. Tim hält ihn fest und Jakob möchte ihn im wegnehmen. Ich könnte jetzt hingehen und Schiedsrichter sein. Jakob hatte ihn zuerst oder Tim ist der jüngere, daher soll Jakob nachgeben. Ich knie mich zu den beiden, berühre sie und beschreibe kurz, dass beide das gleiche haben wollen. „Was könnt ihr da machen? Was möchtest du Jakob und was du, Tim?“ Bei beiden kann man im Gesicht ablesen, wie sie den anderen nun wirklich sehen, ihn erkennen, mit seinen Bedürfnissen. Jakob fragt Tim: „Möchtest du damit etwas bauen?“ Tim sagt „Nein, ich möchte damit ein Loch graben.“ Jakob: “Cool! Sollen wir das gemeinsam machen?“ Tim: „Nein, ich will das alleine machen.“ Jakob: „Ich möchte damit einen Zaun bauen, damit niemand in mein Gemüsebeet steigt. Gibst du ihn mir? Du kannst mit diesem Stock ein Loch bohren.“ Er hält ihm einen anderen entgegen. Tim nimmt den anderen. Beide machen ihre Sache.

  • Dazugehören zu Gruppe wird wichtiger als sich auf eigene Sinneseindrücke und körperliche Befindlichkeiten zu verlassen.
  • Grundmitteilungen aller Kinder: Hunger, kalt, müde, heiß, Geborgenheit und Schutz, Gesehen werden

Haben diese beiden letzten Punkte etwas miteinander zu tun? Sind Geborgenheit, Schutz und Gesehen werden die wesentlichen Punkte, um Teil einer Gruppe zu sein? Können Menschen dann authentisch und autonom sein, wenn sie sicher sind und gesehen werden?

  • Kinder übernehmen Sprache, wenn sie emotional aufgeladen ist sowie auch Verhaltensweisen, Werturteile und Vorstellungen, sowohl positiv als auch negativ
  • Unsere größte Angst: die vor anderen Menschen, ist keine angeborene Angst

Woher kommt es dann, dass wir uns vor anderen Menschen am allermeisten fürchten? Haben wir selbst schlechte Erfahrungen gemacht? Haben wir diese Erfahrung durch die Medien bekommen? Wie leben Menschen, die keine Angst haben?