Soviel Süßigkeit ist nicht zu fassen

Die allersüßeste Zeit der Kinder ist für mich das Alter ab 2 ½ Jahren bis 5 Jahre. Mit dem Zeitpunkt, wo sie ins Reden kommen,

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uns ihre eigene Welt erklären und einfach zum Fressen süß aussehen. Das ist das Zeitalter, in dem sie die lustigsten Wortkreationen machen und sich ihre Definitionen machen.

Tim ist gerade in diesem Alter, er kommentiert alles und macht sich seine Weisheiten. Als er im Kuhstall die Kühe das erste Mal sieht, meint er: „Die haben viele und große Penise“. Da war das Melken dann sehr faszinierend…

Und den ganzen Tag kommt er von einem Spiel ins nächste. Zur Zeit ist er entweder ein Hamster. Dann krabbelt er auf dem Boden herum und futtert alles, was er finden kann. Und gleich später wird er zu einem Tiger, gemeinsam mit seinem größten Bruder, und sie gehen gemeinsam auf die Jagd. Dumm, dass ich seine Beute bin und er so richtig fest in mein Bein beißt. Lukas gibt ihm statt dessen eine Reiswaffel – der Tiger muss Diät halten.

Und dann ist Tim gleich der Chefkoch und macht den Grießbrei für sich und seine Geschwister als Abendessen. Da steht er dann bei unserem alten Herd, der mit Holz beheizt wird auf einer Kiste, rührt den Honig in die Milch und beschreibt, dass er schon groß ist und das kann. Die Milch wird warm, also den Grieß einrühren. Damit keine Klumpen entstehen, die mag er nämlich nicht, machen wir das gemeinsam. Er rührt und ich gieße den Grieß ein. Die Milch schwappt aus, es stinkt nach verbrannter Milch, und wenn gerade eingeheizt wird macht es keinen Sinn, diese aufzuwischen… Macht nichts, der Chefkoch passt schon auf.

Mit vielen Beschreibungen deckt er den Tisch, überlegt, welche Schüssel zu welchem seiner Geschwister passt. Lukas, der große Tiger bekommt den kleinen Tigerlöffel. Lorin als kleinster bekommt den großen Löffel, damit es schneller geht ihn zu füttern. Benjamin und Jakob werden mal ausgelassen und Laura bekommt die Prinzessinschüssel. Sarah ist nicht da.

Beim Abendessen erzählt Jakob von einem Erlebnis mit einem Freund aus der Schule, nach jedem halben Satz fragt Tim nach: „Hast du das wirklich gemacht?“ „Wo wohnt dieser Freund?“ „Ist das weit von hier?“ Wir kommen nicht zum reden. Erst als Jakob ihn erinnert, dass der kleine Tiger jetzt aufessen soll, damit er groß und stark wird, wird er kurz ruhig. Doch gleich wieder wetzt er herum.

„kleiner Tiger, bist du vielleicht müde?“ – „Ja…“. Ich ziehe den kleinen Tigerchefkoch um und putze ihm die Zähne. Auf jeden Fall muss jetzt noch gesungen werden: Von den blauen Bergen kommen wir – bei ihm sind diese Berge grün. Eh klar, es gibt ja keine blauen Berge. Still bewegt er seine Lippen mit. „Und jetzt das Lied mit dem Lammfell…“ Keine Ahnung was er da meint. Wir blättern durch das Liederbuch bis er meint: „Das da!“ Es ist „jetzt steigt Hampelmann aus seinem Bett heraus…“ Klingt schon ähnlich Lammfell und Hampelmann. Nach drei weiteren Liedern ist klar: Genug der Süßigkeit „Tim“ für heute. Er kuschelt sich ins Bett, ich singe ihm sein Schlaflied vor: Kein schöner Land. Bei der letzten Strophe schlummert der kleine Hamster-Tiger schon in seinem Abenteuertraum.